Informationen zur Luftqualität

Wie hoch ist die Luftbelastung an den Straßen, auf denen ich gleich mit dem Fahrrad fahren möchte? Kann ich unbesorgt joggen oder spazieren gehen? Sollte ich heute auf das Autofahren verzichten, weil die Luft schon hoch belastet ist?

Mit „Hauptstadtluft – Luftqualität an Straßen“ können Sie sich jederzeit über die aktuelle Luftqualität an Berliner Hauptverkehrsstraßen informieren. Eine stündlich aktualisierte Karte zeigt die Luftbelastung an den Abschnitten des Berliner Hauptverkehrsstraßennetz farbig an, an denen aufgrund der Randbebauung und eines hohen Verkehrsaufkommens hohe Schadstoffbelastungen auftreten können. Die Farben des Luftqualitätsindexes erlauben dabei einen schnellen Überblick. Die Angaben zur Luftqualität werden anhand von aktuellen Verkehrs-, Wetter- und Luftgütemessdaten modelliert.

Luftschadstoffe

Stickstoffdioxid (NO2) ist ein für uns Menschen sehr schädliches Reizgas. Es gelangt über die Atemwege tief in den Körper und kann die Gesundheit dauerhaft schädigen. Außerdem kann NO2 die gesundheitsschädlichen Wirkungen von Ozon und Feinstaub verstärken. Epidemiologische Studien zeigen statistische Zusammenhänge zwischen der Luftbelastung durch Stickstoffdioxid und den gesundheitlichen Auswirkungen wie Erkrankungen der Atemwege und des Herz-Kreislauf-Systems. So steigt z.B. bei höheren NO2-Belastungen das Risiko, an Bronchitis oder Asthma zu erkranken. Besonders empfindlich reagieren Menschen mit Vorerkrankungen der Atemwege wie bestehendem Asthma, sowie Kinder und ältere Menschen. NO2 ist bei intensiver Sonneneinstrahlung außerdem an der Bildung des Treibhausgases Ozon beteiligt, das ebenfalls eine stark reizende Wirkung auf unsere Atemwege hat. Zudem kann Stickstoffdioxid in der Atmosphäre zu partikelförmigen Nitraten umgewandelt werden, die wiederum zur Feinstaubbildung beitragen. NO2 entsteht überwiegend bei Verbrennungsprozessen mit hohen Temperaturen und Luftüberschuss, z.B. in Dieselfahrzeugen, in Kraftwerken sowie beim Verbrennen von Holz. Die wichtigste Quelle erhöhter NO2-Konzentrationen in Berlin ist der Kraftfahrzeugverkehr. Er verursacht circa drei Viertel der an Hauptverkehrsstraßen gemessenen NO2-Belastung. Etwa die Hälfte des verkehrsbedingten NO2 an Straßen stammt aus Diesel-Pkw.
Feinstaub ist ein Gemisch verschiedenster fester und flüssiger Partikel, die über längere Zeit in der Atmosphäre schweben und über weite Strecken transportiert werden können. Feinstaub kann die Atemwege schädigen und erhöht das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen. Feinstaub-Partikel dringen je nach Größe verschieden tief in den Körper ein. Je kleiner sie sind, umso gefährlicher sind sie für den Organismus. Partikel, deren (aerodynamischer) Durchmesser kleiner als 10 Mikrometer – ein hundertstel Millimeter – ist, werden als PM10 (PM für Particulate Matter) bezeichnet. Je nach ihrer Größe gelangen sie bis in die Bronchien, in die Lungenbläschen oder sogar bis in die Blutbahn und können dort zu Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems führen. Für Feinstaub gibt es eine Vielzahl von natürlichen und menschenbedingten Quellen. Partikel entstehen z.B. bei der Verbrennung von Kraftstoffen in Fahrzeugmotoren oder von Kohle und Öl in Kraftwerken. Eine zunehmend wichtiger werdende Quelle sind holzbefeuerte Öfen in Wohnungen. Des Weiteren gelangen Partikel durch mechanische Prozesse, z.B. auf Baustellen, oder durch Staubaufwirbelung in die Atmosphäre. Etwa ein Drittel der Partikel in der Berliner Luft werden erst in der Atmosphäre aus Gasen wie Stickstoffoxiden, Schwefeldioxid oder Kohlenwasserstoffen gebildet. Die Partikelbelastung an Hauptverkehrsstraßen stammt zu etwa einem Viertel aus dem Kraftfahrzeugverkehr. Die wichtigste Quelle ist dabei der Abrieb von Reifen und Bremsen sowie die Aufwirbelung von Partikeln. Rußpartikel tragen nur etwa 5 % zur Partikelbelastung an Straßen bei. Da diese Partikel jedoch im Gegensatz zu Partikeln aus Abrieb und Aufwirbelung besonders klein sind, sind sie für den größten Teil der gesundheitsschädlichen Wirkung der verkehrsbedingten Partikel verantwortlich.
Grenzwerte für Luftschadstoffe sind europaweit mit der Europäischen Richtlinie 2008/50/EG über Luftqualität und saubere Luft festgelegt worden. Für Stickstoffdioxid und Partikel gelten folgende Grenz- und Richtwerte:
Komponente Mittel über Grenzwert Anzahl zulässiger Überschreitungen
Partikel (PM10) 24 h 50 µg/m³ 35 x / Jahr
1 Jahr 40 µg/m³ --
Partikel (PM 2.5) 1 Jahr 25 µg/m³
Stickstoffdioxid (NO2) 1 h 200 µg/m³ 18 x / Jahr
1 Jahr 40 µg/m³ --
       
(Werte in fett: Diese Immissionsgrenzwerte werden in Berlin an einigen Straßen überschritten oder es besteht die Gefahr einer Überschreitung.) In Berlin konnten die Grenzwerte für Partikel seit vier Jahren (2016 bis 2019 durchgehend) eingehalten werden. Dagegen wird der bereits seit dem Jahr 2010 einzuhaltende Grenzwert für das Jahresmittel von NO2 noch an einigen wenigen Straßen überschritten. Daher musste für Berlin ein neuer Luftreinhalteplan aufgestellt werden. Der Berliner Senat hat die zweite Fortschreibung des Luftreinhalteplans im Juli 2019 beschlossen, um schnellst möglich die Grenzwerte einzuhalten. Hier geht es zum Luftreinhalteplan.  

Luftqualitätsindex

Für die schnelle Beurteilung der Luftqualität wird die Belastung in Form eines Luftqualitätsindexes angezeigt. Der Luftqualitätsindex zeigt auf einen Blick die momentane Luftbelastung an und bewertet die Kurzzeitwirkung der Luftschadstoffe auf die menschliche Gesundheit. Hierzu werden die berechneten Konzentrationen einer von sechs Belastungsstufen zugeordnet. Der Übergang von „ausreichend“ zu „schlecht“ entspricht dem Überschreiten des EU-weit gültigen Kurzzeit-Grenzwertes für diesen Schadstoff.

Index NO2* PM10**
sehr gut 0-25 0-10
gut > 25-50 > 10-20
befriedigend > 50-100 > 20-35
ausreichend > 100-200 > 35-50
schlecht > 200-500 > 50-100
sehr schlecht > 500 > 100

*  Stundenmittelwert in μg/m³ / ** stündlich gleitendes Tagesmittel in μg/m³

Verhaltenstipps

Genießen Sie Ihre Aktivitäten im Freien. Hier können Sie sich beim Gehen oder Radfahren gut erholen.

Genießen Sie Ihre Aktivitäten im Freien, gesundheitlich nachteilige Wirkungen sind nicht zu erwarten. Auch hier können Sie unbesorgt zu Fuß gehen oder Radfahren.

Kurzfristige nachteilige Auswirkungen auf die Gesundheit sind unwahrscheinlich. Allerdings können Effekte durch Luftschadstoffkombinationen und bei langfristiger Einwirkung des Einzelstoffes nicht ausgeschlossen werden. Zusätzliche Reize, z.B. ausgelöst durch Pollenflug, können die Wirkung der Luftschadstoffe verstärken, so dass Effekte bei empfindlichen Personengruppen (z.B. Asthmatikern) wahrscheinlicher werden. Auf dieser Strecke sollten Sie empfindliche Personen möglichst nur kürzere Zeit zu Fuß gehen oder Radfahren.

Bei empfindlichen Personen können nachteilige gesundheitliche Wirkungen auftreten. In Kombination mit weiteren Luftschadstoffen ist dies auch bei weniger empfindlichen Personen möglich. Besonders empfindliche Personen sollten hier körperlich anstrengende Tätigkeiten vermeiden. Für das Gehen oder Radfahren ist diese Straße gerade weniger geeignet. Zu einer besseren Luftqualität können Sie beitragen, wenn Sie hier jetzt nicht mit dem Auto (mit Verbrennungsmotor) fahren und so weit wie möglich auf andere Verkehrsmittel umsteigen. Nutzen Sie dazu auch die Berlin mobil App.

Negative gesundheitliche Auswirkungen können auftreten. Wer empfindlich ist oder vorgeschädigte Atemwege hat, sollte hier körperliche Anstrengungen reduzieren oder vermeiden. Diese Strecke sollten Sie momentan als Fußgänger oder Radfahrer eher vermeiden.

Zu einer besseren Luftqualität können Sie beitragen, wenn Sie hier jetzt nicht mit dem Auto (mit Verbrennungsmotor) fahren und möglichst auf andere Verkehrsmittel umsteigen. Nutzen Sie dazu auch die Berlin mobil App.

Fahren Sie ein Dieselfahrzeug Euro 5? Dann können Sie dauerhaft zu einer besseren Luftqualität beitragen, wenn Sie es – soweit verfügbar – mit einem Stickoxidminderungssystem nachrüsten lassen. Erkundigen Sie sich nach Förderungen durch Fahrzeughersteller oder Förderprogramme des Bundes, z.B. unter www.bav.bund.de.

Negative gesundheitliche Auswirkungen können auftreten. Wer empfindlich ist oder vorgeschädigte Atemwege hat, sollte hier körperliche Anstrengungen vermeiden. Diese Strecke sollten Sie momentan als Fußgänger oder Radfahrer vermeiden.

Zu einer besseren Luftqualität können Sie beitragen, wenn Sie hier jetzt nicht mit dem Auto (mit Verbrennungsmotor) fahren und möglichst auf andere Verkehrsmittel umsteigen. Nutzen Sie dazu auch die Berlin mobil App.

Fahren Sie ein Dieselfahrzeug Euro 5? Dann können Sie dauerhaft zu einer besseren Luftqualität beitragen, wenn Sie es – soweit verfügbar – mit einem Stickoxidminderungssystem nachrüsten lassen. Erkundigen Sie sich nach Förderungen durch Fahrzeughersteller oder Förderprogramme des Bundes, z.B. unter www.bav.bund.de.

Wie wird die Luftqualität an Straßen berechnet?

Für die Berechnung der Luftbelastung an Hauptverkehrsstraßen wird das Modell IMMISmt der IVU Umwelt GmbH verwendet. Dies ist ein Monitoring-System zur stadtweiten Überwachung der Luftschadstoffbelastung in Echtzeit. Die Berechnung der aktuellen Luftqualität erfolgt in mehreren Schritten.

Zuerst wird mit aktuellen Daten zur Verkehrsmenge und Verkehrsqualität (z.B. Stau oder flüssiger Verkehr) der momentane Schadstoffausstoß berechnet.

Im zweiten Schritt wird die Verdünnung der Schadstoffe mit einem Ausbreitungsmodell bestimmt. Hierfür werden aktuelle Wetterdaten, z.B. zur Windgeschwindigkeit und Windrichtung, verwendet. Aus dieser Verdünnung ergibt sich die verkehrsbedingte Zusatzbelastung durch die Fahrzeuge, die in dieser Straße fahren.

Im dritten Schritt wird die tatsächliche Luftqualität aus der Summe dieser Zusatzbelastung und der Hintergrundbelastung berechnet. Die Hintergrundbelastung basiert auf Messwerten des Berliner Luftqualitätsnetzes. Die Berechnungen erfolgten mit einer stündlichen Auflösung. Für NO2 wird der Stundenmittelwert dargestellt. Dieser ist vergleichbar mit dem Kurzzeitgrenzwert. Für Partikel kann der Tagesmittelwert aufgerufen werden. Nur dieser Wert ist mit dem Kurzzeitgrenzwert vergleichbar.

Ein Modell ist immer nur eine Annäherung an die Luftqualität, wie sie mit Messgeräten bestimmt wird. Es können daher Über- oder Unterschätzungen der tatsächlichen Luftqualität angezeigt werden. Die Modellwerte wurden mit Messergebnissen verglichen, die Abweichungen liegen im Rahmen der vorgeschriebenen Qualitätsanforderungen.

Woher stammen die verwendeten Daten?

Luftgütemessdaten: Die Luftqualität in Berlin wird an 16 Stationen des Berliner Luftgütemessnetzes (BLUME) durch kontinuierliche Messungen von Stickstoffdioxid, Feinstaub PM10, Ozon, Benzol und Kohlenmonoxid überwacht. Sechs der Stationen stehen an stark befahrenen Straßen, fünf im innerstädtischen Hintergrund (Wohn- und Gewerbegebieten) und fünf im Stadtrand- und Waldbereich. Für das Informationssystem AkLuSt werden die Daten der Stationen Wedding, Mitte, Schöneberg und Nansenstraße verwendet. Zu den Messdaten des Blume https://luftdaten.berlin.de/lqi Verkehrsdaten: Um den aktuellen Schadstoffausstoß der Kraftfahrzeuge zu berechnen müssen verschiedene Daten zusammengeführt werden. Als konstante Größe wird die mittlere Flottenzusammensetzung der einzelnen Fahrzeugkategorien (Pkw, Lkw, Busse, Motorräder), d.h. insbesondere die Anteile einzelner Euronormen angenommen. Diese Flottenzusammensetzung wird durch Kennzeichenerhebungen und Auswertung der technischen Daten bestimmt. Die Erhebungen finden an ausgewählten Straßen statt und werden in unterschiedlichen Zeiträumen (alle ein bis drei Jahre) wiederholt. Liegt die Erhebung länger als ein Jahr zurück, wird die Flotten durch Annahmen zur Flottenmodernisierung weiterentwickelt. Stündlich aktualisiert werden die Daten zur Anzahl der Fahrzeuge und zum Anteil von Lkw sowie die Beurteilung der Verkehrsqualität, da bei Stau der Schadstoffausstoß höher ist als z.B. bei ungestörter Fahrt. Grundlage hierfür sind die aktuellen Verkehrsdaten von über 1.000 automatischen Verkehrszählstellen und Daten fahrender Kraftfahrzeuge und Daten des Navigationsgeräteanbieters TOMTOM. Emissionsfaktoren: Angaben zum Schadstoffausstoß der verschiedenen Fahrzeuge in Gramm pro Kilometer sind im Handbuch für Emissionsfaktoren (HBEFA) zusammengestellt. Das HBEFA wurde vom Umweltbundesamt zusammen mit Österreich, der Schweiz, Frankreich, Schweden und Norwegen entwickelt. Verwendet wird die Version 3.3 des HBEFA. Weitere Informationen: www.HBEFA.net

Maßnahmen zur Reduzierung der Schadstoffbelastung

Der Berliner Senat hat mit dem Beschluss der zweiten Fortschreibung des Luftreinhalteplans im Juli 2019 zahlreiche Maßnahmen zur schnellen Reduzierung der hohen NO2-Belastungen an Straßen beschlossen. Die Wichtigsten sind:

  • Nachrüstung von Bussen der BVG und Kommunalfahrzeugen mit Stickoxidminderungssystemen
  • Schrittweise Umstellung der BVG-Busflotte auf Elektroantrieb; bis 2021 sollen über 100 Elektrobusse und die zugehörige Ladeinfrastruktur beschafft werden.
  • Förderung des ÖPNV und des Rad- und Fußverkehrs
  • Ausweitung der Parkraumbewirtschaftung und Erhöhung der Parkgebühren
  • Tempo 30 für hochbelastete Streckenabschnitte von einer gesamten Länge von ca. 20,6 Kilometern.
  • Durchfahrtverbote für Dieselfahrzeuge bis einschließlich Euro 5 für acht Strecken mit einer gesamten Länge von ca. 2,9 Kilometern

Hier geht es zum Luftreinhalteplan.